1 Jahr mit der Samsung GearFit 2

Samsung GearFit 2

Seit über einem Jahr, genauer gesagt: Seit dem Release der GearFit 2 von Samsung, trage ich sie stolz an meinem Handgelenk. Bevor ich jetzt aber auf das kleine Wearable näher eingehe, sollte ich erwähnen dass ich überzeugter Samsung Fan bin. Spätestens beim Kontra zum smarten Fitnesstracker werdet ihr aber merken, dass „Fan sein“ nicht gleichbedeutend mit „schön reden“ ist.
Gehen wir nun einmal ein ganzes Stück weit zurück durch die Zeit. Es war Mitte Juni 2016 als ich meinen Uralt-Bauern-Mercedes-C Klasse auf den MediaMarkt Parkplatz lenkte. Der Einsatzplan war klar strukturiert: Eindringen ins Gebäude, den heiligen Gral der Handgelenke einsacken, 199 Flocken an der Kasse lassen und mit Warpgeschwindigkeit zurück ins Hauptquartier! Bis dahin alles gut. Der nette und wiedererwartend kompetente Mitarbeiter der Technik-Kette hat sogar nach kurzer Suche hinter all den Pinken Uhren noch eine Schwarze entdeckt. Das große Unboxing daheim war recht unspektakulär. Eben eine Uhr mit Ladestation. Kleiner Rückschlag: Ladestation arbeitet über 5V USB… aber ein Netzteil ist nicht inklusive. Also fix ein altes USB-Hub ans Ladegerät vom Handy gesteckt und BÄÄÄÄM, schon lässt sich Handy und Gear zeitgleich laden.
Nach eine guten Stunde zeigte das Display auch schon einen 100% Balken an. Sehr gut, es kann los gehen!

Die Ladestation. USB Anschuss aber ohne passendes Netzteil im Lieferumfang. Die 4 Kontakte machen es völlig wurscht, ob die Uhr rechts oder links herum aufgelegt wird.

Das koppeln via USB mit meinem S7 war so gar kein Problem. Samsung und Samsung verstehen sich eben gut. Das voreingestellte Layout ist in Ordnung, es gibt aber zum Download noch reichlich Auswahl und selbst unter den kostenlosen Varianten sind wirklich tolle Designs dabei. Von den 9 möglichen Seiten/Apps der Uhr nutze ich nur 7. Für mich ist damit alles Relevante abrufbar. Uhrzeit incl. Datum, Schrittzähler, Etagenzähler, Kalorienverbrauch, Aktivität Starten (Joggen in meinem Fall), Herzfrequenz und Samsung Heath Ranking fürs eigene Ego. Gehen wir die aufgezählten Funktionen nun einmal durch:

  • Uhrzeit incl. Datum ist mein Home-Screen. Ich brauche im Tagesbetrieb nur diese Daten. Layouts die auch dort die Schritte anzeigen finde ich unübersichtlich
  • Der Schrittzähler ist für mich sehr wichtig. 6000 bis 8000 Schritte sollte man am Tag machen. Ich liege bei 15.000 aber die Uhr pusht mich da gerne auch mal hoch, so dass ich auch ab und an 25.000 Schritte zähle
  • Der Etagenzähler… ne Nummer für sich. 4 Meter Höhenunterschied entsprechen bei der GearFit 2 einer Etage. Da der ganze Spaß mittels winziger Sensoren über Bewegung und Luftdruck ermittelt wird, kann ein morgendliches Frühstück auf der Terrasse auch mal 10 Etagen bringen. Der Luftdruck ändert sich eben morgens auch mal recht heftig 🙂
  • Kalorienverbrauch gefällt mir sehr. Im Smartphone werden Daten wie Alter, Größe und Gewicht erfasst. Daraus ermittelt die App den Nettoverbrauch am Tag. Je nach Aktivität, wird der Mehrverbrauch dazu addiert. Funktioniert recht gut und die Werte sind glaubhaft. Sicher auch nicht medizinisch korrekt aber etwas, mit dem man arbeiten kann.
  • Aktivität starten ist echt toll. Man kann an der Uhr einstellen, ob es ein einfaches Workout ist, ob man eine gewisse Distanz laufen will (GPS sei Dank) oder ob man eine vorgegeben Zeit Laufen will. Die Uhr hat allerdings auch eine Workout Erkennung und startet, sofern sie es bemerkt, das Tracken des Trainings automatisch. Bei mir war allerdings 1 Km schwimmen dann auch mal schnell eine Rudereinheit laut der Uhr.
  • Herzfrequenz… Es sollte jedem klar sein, dass dieses NICHT exakt am Handgelenk gemessen werden kann. Schon gar nicht bei Bewegung. Als Anhaltspunkt ist es jedoch sehr nützlich.
  • Das Ranking gibt, sofern man es Samsung Health erlaubt hat, den eigenen Rang in % an, den man wahlweise von allen Samsung Health Nutzern hat, bei den Health Nutzern der eigenen Altersklasse oder die Platzierung bei den eigenen Freunden

Die Akkuleistung ist allerdings nur zu Beginn als besonders erwähnenswert zu nennen. Schon nach einem Jahr (und eben aktiver Nutzung: Joggen (gerne 20 Km am Abend, viele kleine Workouts am Tag) ist der Akku am Abend schon runter auf 15%. Also von morgens 6 bis abends 21 Uhr. Im Energiesparmodus (einfarbiges Display, keine Dauerverbindung zum Handy und kein GPS) gehen mittlerweile 25% in 24 Stunden drauf. Einerseits keine Traumwerte, andererseits ist das Ding so schlank gestaltet, dass auch der Akku sehr geringe Ausmaße haben muss. Egal wie viel mA/h er leisten soll.

Das Display selbst ist jedoch bezaubernd! Ich habe eine passende Schutzfolie drauf. Als Handwerker macht das auch richtig viel Sinn. Die Helligkeit ist einstellbar und selbst bei Sonneneinstrahlung ist alles gut leserlich. Der Touchscreen arbeitet bei trockenen Fingern sehr präzise. Lediglich mit nassen Fingern (Regen oder Schwimmen) kommt die Bedienung einer Runde Space Invaders gleich. Die Menüführung wird dabei aber durch 2 seitlich angebrachte Tasten unterstützt.

Der integrierte MP3 Player ist etwas komplizierter. Titel auf die Uhr zu übertragen ist einfach, sie wieder zu löschen bedurfte bei mir 10 Minuten Googlen. In Verbindung mit einem Bluetooth Kopfhörer kann die nervige Armbinde mit dem Handy drin aber ruhig zu Hause bleiben. Halbmarathon mit Streckentracking und Hörbuch im Ohr klappt wunderbar. Allerdings sollte man die Uhr rebooten vor dem Laufen. Sie hängt sich sonst gerne mal auf und man merkt erst nach dem Laufen das die Strecke erst ab Kilometer 5 getrackt wurde.

Die smarten Funktionen sind im Gleichgewicht. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Ich kann also nicht mit der Uhr telefonieren, kann aber Anrufe annehmen oder ablehnen. Bei letzterem kann ich vorgefertigte SMS Nachrichten versenden lassen wie z.B. Ich fahre grad Auto. Oder Ich rufe zurück. SMS, Whats App und Co kann ich auf der Uhr komplett lesen (und das ohne eine Lesebestätigung zum Absender geschickt wird) und auch alle anderen Push Nachrichten finden ihren Weg auf das Display. Etwas nervig ist die integrierte Wetter Anzeige. Mehrmals am Tag vibriert die Uhr um mir zu sagen wie das Wetter an meinem aktuellen Ort ist. So ein quatsch. Meine Haut sagt mir viel besser ob es kalt ist und ob es regnet oder die Sonne scheint, sehe ich auch ohne Uhr.

Geladen wird das Schätzchen allerdings über physische Kontakte. Genau hier ist meine Euphorie auch vorbei denn da hat Samsung richtig Mist gebaut (übrigens auch bei den deutlich teureren SmartWatches wie Gear S2). Beim Auflegen auf die Ladestation sorgt ein Magnet für den sicheren Halt und die Nippel der Ladestation berühren nun die Ladekontakte der Uhr. Der Strom fließt, der Akku wird geladen. Leider haben diese Kontakte auch immer Kontakt mit der Haut, wenn die Uhr dort ist, wo sie sein soll. Nämlich am Handgelenk! Es wird zwar darauf hin gewiesen, dass man die Kontakte vor dem Laden reinigen und trocknen soll (um Korrosion zu vermeiden), leider sind diese Kontakte aber nicht säurefest. Wir erinnern uns also mal eben an den Chemieunterricht: PH Wert 1 bis 6 ist sauer, 7 neutral und 8 bis 14 ist alkalisch. Der PH Wert unserer Haut liegt bei 5,5. Also leicht sauer! Bei Nichtsportlern oder Nichtschwitzern mag da so eine Uhr ewig halten… bei mir eben nur 15 Monate. Trotz abspülen mit Wasser und anschließendem Trocknen nach jedem Lauf und vor jedem Schlafen gehen, hat sich bereit einer der beiden Kontakte aufgelöst. Nur noch eine kleine Kante ist geblieben. Ich bastel also mit einem Blatt Papier unter der Uhr jeden Abend so lange rum, bis ich den kleinen Restpunkt getroffen habe und die Uhr wieder lädt. Das ist leider kein Einzelfall. Dass aus den Ladekontakten schwarze Löcher werden, ist in vielen Foren zu Hauf dokumentiert. Samsung repariert aber nicht, da die Uhr ja einen hohen IP Schutz hat und dieser nach einer Reparatur nicht mehr gewährleistet werden kann. Leuchtet ja auch ein. Aber dann von einigen Nutzern 25 Euronen für den Kostenvoranschlag zu nehmen, um Ihnen dann das mit zuteilen, was doch von Anfang an klar war, ist dreist. Der Inhalt fällt laut diverser Kunden immer gleich aus. Rep nicht möglich wegen IP Schutz, kein Garantiefall. Bitte neue Kaufen. Aus der Eigenen Sicht kann ich dazu keine Stellung nehmen da ich Volltrottel den Kassenbeleg nicht finden kann. Es ist nämlich auch in einigen Foren die Rede davon, dass der Mediamarkt die Uhren eingeschickt hat, und dann wohl aus eigener Hand für Ersatz gesorgt hat. Hut ab sollte das so stimmen. Ich jedenfalls werde versuchen, einen Lötpunkt in den verschlissenen Kontakt zu tropfen. Vielleicht wird’s dann wieder besser für eine Weile. Letztendlich werde ich aber was Fitnessuhren angeht, die Nächste von Polar oder Garmin kaufen. Da ist zumindest kein Hautkontakt zu den Ladekontakten.

Mittig der Uhr sieht man die Herzfrequenz Sensoren. Die beiden Punkte links daneben sind die Ladekontakte. Der Obere ist bereits mehr oder weniger weg!

Demnächst kommt die GearFit Pro auf den Markt. Bin ja mal gespannt ob Samsung dort nachgebessert hat.

Solltet Ihr Fragen haben, Kritik am Bericht oder Lob… bitte lasst es mich in den Kommentaren wissen. Ist immerhin mein erster Bericht in meinem ersten Blog.

yours, Basti